19.Jahrhundert

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Mortons Ethernarkose im Jahr 1846 (nachgestellt, kurze Zeit später).
  • 1800 William Allen, Dozent für Chemie am Guy’s Hospital, demonstrierte in Anwesenheit Astley Coopers und anderer die Wirkung der Lachgasinhalation.  Der Verlust der Schmerzempfindung wurde dabei besonders hervorgehoben.
  • 1805 John C. Warren wandte Etherinhalationen zur Erleichterung der Endstadien der Lungenentzündung an.
  • 1806 Friedrich A. W. Sertürner konnte das Morphin aus dem Opium extrahieren.
  • 1807 D. J. Larrey gelang die schmerzfreie Amputation auf dem Schlachtfelde bei Unterkühlung (Minus 19 °C).
  • 1815 Maxime de Puysegur entwickelte die Theorie des Somnambulismus.  Seine Anwendung sollte die Schmerzen bei Operationen erleichtern.
  • 1816  Rene Laennec (1781-1826) erfand das Stethoskop (stethos = die Brust; skopeein = erkunden).  Das binaurale Stethoskop wurde 1855 durch Cammann eingeführt
  • 1818  Michael Faraday veröffentlichte seinen Bericht über die schmerzstillende Wirkung des Ethers im „Journal of Science and Art“.
  • 1819 Stockman führte die erheiternde Wirkung des Lachgases vor.
  • 1822 Magendie bewies, daß die vorderen Rückenmarkswurzeln motorisch und die hinteren Wurzeln sensibel sind.
  • 1824 Henry Hill Hickmann führte an Tieren schmerzlose Operationen aus, nachdem er ihnen Kohlendioxyd verabreicht hatte.
  • 1825  Charles Waterton (1782-1865) veröffentlichte seine „Wanderings in South America“, welche einen Bericht über die Wirkungen von Kurare enthielten.
  • 1831 Latta bediente sich der von ihm in die Praxis eingeführten Kochsalzinfusion bei Patienten im Schock.
    Samuel Guthrie, Eugene Souberain und Justus von Liebig entdeckten unabhängig voneinander das Chloroform.
  • 1832  Thomas Aichison Latta verwendete intravenöse Infusionen von 0,9%iger Kochsalzlösung bei der Cholera (nicht beim chirurgischen Schock).
  • 1835 Jean Baptiste Dumas beschrieb die physikalischen und chemischen Eigenschaften des Chloroforms.
  • 1839 Isaac E. Taylor und James A. Washington wandten subkutane Injektionen in der ärztlichen Praxis an. Sie punktierten dabei mit einem Messer die Haut und spritzten das Mittel (Opiumlösung) unter Zuhilfenahme einer Spritze unter die Haut.
  • 1840 John Elliotson und James Esdaile berichteten von der Anwendung des Somnambulismus, mit dem sie in vielen Fällen schmerzlos operiert hatten.
  • 1842 W. E. Clarke verabreichte Miß Hobbie Ether, während Dr. Elijah Pope schmerzlos einen Zahn entfernte (Januar 1842).
    Crawford W. Long entfernte am 30.  März 1842 James Venable mit dessen Einverständnis einen kleinen Nackentumor in Ethernarkose.
  • 1843 Schaffung des Diploms Fellow of the Royal College of Surgeons (Mitglied des Königlichen Kollegiums der Chirurgen (F.R.C.S.).
  • 1844  Horace Wells ließ sich von Dr. John Riggs am 11.  Dezember 1844 einen Zahn ziehen, wobei ihm G. Q. Colton Lachgas verabreichte.
  • 1845 Horace Wells hielt in Dr. John C. Warrens Kolleg an der Havard Universität eine Vorlesung über „Die Verwendung des Stickoxyduls zur Schmerzverhütung“.  Am Abend demonstrierte er die Anwendung des Mittels als Anaesthetikum bei einer Zahnextraktion.  Die Vorführung war kein voller Erfolg.
  • 1846 Charles T. Jackson schlug Morton vor, gereinigten Ether zur Narkose zu verwenden.  Damit gelang die schmerzlose Entfernung eines Zahnes.
    William T. G. Morton zeigte die Technik der Ethernarkose bei einer von Dr. Warren am Massachussetts General Hospital durchgeführten Operation (18. Oktober).

    Robert Liston führte am University College Hospital in London zwei Operationen in Ethernarkose aus, wodurch deren Verbreitung auf dem Kontinent stark zunahm.
    Peter Squire konstruierte den ersten britischen Etherinhalator. Morton (USA) entwarf den ersten Etherinhalator überhaupt.
  • 1847 M. J. P. Flourens beschrieb die anaesthetische Wirkung des Chloroforms bei Tieren.
    Jacob Bell beschrieb die Narkoseeigenschaften des Chloroforms.
    Sir James Simpson führte den Ether zur Erzielung einer Analgesie in der Geburtshilfe ein.
    N. I. Pirogoff beschrieb die rektale Anaesthesie mit Ether.
    John Snow, der erste ausschließlich in der Anaesthesie tätige Arzt, begann mit der Anwendung von Ether am St. Georges Hospital in London.  Er veröffentlichte ein Buch über den Ether.
    Sir James Simpson wandte das Chloroform erfolgreich bei großen Operationen und in der Geburtshilfe als Anaesthetikum an.
  • 1848  Hannah Greener starb am 28. Januar 15jährig durch Chloroform, welches durch Dr. Meggison verabreicht worden war in Winlayton, Colorado Durham.  Dies war der erste aufgezeichnete Fall.
    Heyfelder wendete Chloräthyl erstmals am Menschen an.
    Thomas Nunnely beschrieb die narkotischen Eigenschaften einer Mischung aus Ether und einer Lösung von Chloroform in Alkohol. Sie wurde „A.C.E.“-Mischung genannt.
  • 1849 V. Regnault und J. Reiset stellten Versuche mit der Kohlendioxydabsorption an.
  • 1850 W. Gairdner aus Glasgow unterschied zwischen postoperativer Pneumonie und Lungenkollaps (Atelektase), letzterer infolge Verlegung eines Bronchus.
  • 1851  J. F. B. Flagg. veröffentlichte das erste amerikanische Lehrbuch über Anaesthesie.
  • 1853 John Snow wandte das Chloroform mit Erfolg bei Königin Viktoria während der Geburt von Prinz Leopold an. Geburtshelfer war Sir James Clark. Dieses Ereignis trug sehr zur Verbreitung der schmerzfreien Geburt bei.
    Edward R. Squib erfand eine die Etherherstellung revolutionierende Methode, bei der Dampf fortlaufend durch Bleispulen geleitet wurde.
    Alexander Wood entwickelte die moderne Metallhohlnadel.  Er injizierte ebenfalls eine Morphinlösung subkutan in der Nachbarschaft der schmerzenden Stelle, um so eine Unempfindlichkeit zu erreichen.
    Charles Gabriel Pravaz entwickelte die subkutane Injektionsspritze.
  • 1855 Gaedicke. isolierte aus den Blättern der Kokapflanze ein Alkaloid, welches er Erythroxylin nannte.
  • 1856 John Snow entdeckte die anaesthetischen Eigenschaften des Amylens.
  • 1857  Claude Bernard (1813-1878) zeigte, daß Kurare an der myoneuralen Synapse angreift.
  • 1858 John Snows Lehrbuch „On Chloroform and other Anaesthetics“ wurde posthum veröffentlicht.
  • 1860 Albert Niemann stellte das Reinalkaloid der Kokablätter dar, das er „Kokain“ nannte.  Er berichtete über dessen Anaesthesiewirkung auf die Zunge.
  • 1862 J. T. Clover veröffentlichte seinen Beitrag über einen neuen Chloroforminhalator zur Regulierung einer prozentualen Chloroform- und Luftmischung.
    Thomas Skinner, ein Geburtshelfer aus Liverpool, führte seine mullbedeckte Drahtrahmenmaske ein, die seitdem oft nachgeahmt wurde (wie zum Beispiel durch Carl Schimmelbusch, Berlin 1890).
    George Harley führte sein ACE-Gemisch ein (1 Teil Alkohol. 2 Teile Chloroform, 3 Teile Ether).
  • 1863 G. Q. Colton machte die Öffentlichkeit mit der Anwendung reinen Stickoxyduls bei Zahnoperationen vertraut. Die Verwendung dieses Gases war seit seiner Verwendung durch Wells 1844 beinahe völlig verlassen worden.
  • 1864 Bericht des Cloroform-Komitees der „Royal Medical and Chirurgical Society“, welcher die Stellung des Chloroforms als bevorzugtes Mittel bestätigte.
  • 1865 12. August: Professor J. Lister behandelte die komplizierte Unterschenkelfraktur von James Greenlee mit Karbolsäure. Geburt der antiseptischen Chirurgie.
  • 1867 Der deutsche Chirurg F. F. Junker im Stab des Samaritan Free Hospital, London. führte seinen Chloroforminhalator ein, der ursprünglich zur Anwendung mit Methylenbichlorid (CH2C12) konstruiert war. Dieses Mittel wurde im gleichen Jahr erstmalig durch Sir Spencer Wells und Benjamin Ward Richardson klinisch angewendet.
    Joseph Lister (1827-1112), Professor der Chirurgie in Glasgow, beschrieb seine antiseptische Methode der Wundbehandlung (veröffentlicht in the Lancet, 1867, 1, 326 und daselbst, 2, 353).
    Die S. S. White Dental Manufacturing Company stellte einen Inhalator her, der Nase und Mund bedeckte.
  • 1868 Edmund W. Andrews führte den Gebrauch von Sauerstoff in Kombination mit Lachgas in die Anaesthesiepraxis ein.
    W. W. Greene befürwortete die subkutane Morphiumanwendung bei der Inhalationsnarkose.
    Im „British Medical Journal“ wurde der Vorschlag gemacht, das Stickoxydul in flüssiger Form zu komprimieren.
  • 1869 Erstmals wurden Nasenmasken für Lachgas unabhängig von Clover und Coleman verwendet.
    Trendelenburg bediente sich der kurzzeitigen Tracheotomie bei der Durchführung, der endotrachealen Narkose.
  • 1871 Henry Pickering Bowditch erforschte die biologischen Eigenschaften des Blutplasmas und des Serums.
    Johnston Brothers  komprimierten Stickoxydul in geschmiedeten Eisenzylindern.
    A. Spessa injizierte eine Morphinlösung in einen Fistelgang vor dessen Spaltung.
  • 1872 Heidenhain beschrieb die speicheilsekretionshemmende Wirkung des Atropins.
    In England wurde die Anwendung des Ethers nach dem Besuch von D. Joy Jeffries, einem Augenchirurgen aus Boston, USA stärker verbreitet. Er „verkaufte“ die amerikanische Methode der Etherverabreichung an die britischen Chirurgen und Anaesthesisten, ein Verfahren, welches darin bestand, dem Patienten den Ether einzuzwängen, wobei der Patient, falls erforderlich, während der Einleitung niedergehalten werden mußte. Zuvor war in England ausschließlich das Chloroform benutzt worden.
    Pierre-Cyprien Ore von Bordeaux erzeugte bei Tieren durch intravenöse Gabe von Chloralhydrat Allgemeinnarkose und wendete dieses Verfahren zwei Jahre später beim Menschen an.
    Clover führte seine Lachgas-Ether-Reihenfolge auf dem Jahrestreffen der British Medical Association in Norwich ein.
  • 1873 Alexander Bennett demonstrierte die anaesthetischen Eigenschaften des Kokains.
  • 1875 Claude Bernard schlug das Morphin zur Prämedikation vor. Er postulierte, daß Narkotika generell Zellgifte seien und ihre Wirkung an beliebigen Zellen erforscht werden könne.
  • 1876 J. T. Clover führte die Lachgaseinleitung bei der Ethernarkose ein.
    W. G. A. Bonwill wies nach, daß Hyperventilation mit Luft analgetische Effekte hat.  Philad.  J. Dent.  Science, 1876, 3, 37 (s.  Survey of Anesthesiology, 1964, 8, 348).
    Charles Darwin beschreibt die Wirkung von Chloroform und Ether auf den Fangmechanismus der Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula). Während eine geringe Dosis der Gase das Zusammenklappen der Fangblätter verhindert, löst eine hohe Dosis diese Form der Pflanzenbewegung aus.
  • 1877 J. T. Clover führte einen tragbaren Inhalator mit einer Reguliervorrichtung für den Ether ein.
  • 1878 V. von Anrep erforschte die Pharmakologie des Kokains.
  • William MacEwen führte die Narkose mittels eines durch den Mund eingeführten Trachealtubus aus.
  • 1880 Klikovich führte den Gebrauch des Stickoxyduls in der Geburtshilfe ein.
  • 1881 Alexander Crombil befürwortete die Morphinjektion vor der Chloroformgabe. Dieses Vorgehen stellte wahrscheinlich die erste Art einer Prämedikation bei der Narkose dar.
    R. Moutard-Martin und Charles Richet spritzten erstmals eine Mucilago-Koasalzlösung im Tierversuch.
    Klokowitsch verwendete in St. Petersburg erstmalig Lachgas zur Linderung des Geburtsschmerzes (Arch.  Gynaek., 18, 81).
  • 1882 S. J. Hayes ließ sich eine Apparatur patentieren, die Anaesthetika erzeugte und verteilte.  Ether und Chloroform wurden in einem Wasserbad erhitzt und die durch diese Mischung gepumpte Luft riß den Narkosedampf mit sich.
    August von Freund entdeckte und beschrieb das Cyklopropan.
    Carl Koller erklärte den Wert des Kokains für die Lokalanaesthesie.
  • 1884  Auf dem Ophthalmologenkongreß in Heidelberg demonstrierte Koller die nach der Vermutung von Freud lokalanaesthetischen Eigenschaften des Kokains an der Hornhaut des Auges.
    William Stewart Halsted (1852-1922) und Hall in New York nahmen am Nervus mandibtilaris die erste Leitungsanaesthesie mit Kokain vor.
    Daniel Molliere führte die Rektalanaesthesie wieder ein. Wegen der daraus resultierenden schweren Schleimhautverletzung wurde diese bald wieder aufgegeben.
  • 1885 William Stewart Halstedt begründete die Methode der Nervenblockade mit Kokain.
    J. Leonhard Corning versuchte eine Spinalanaesthesie durch Injektion eines Anaesthetikums zwischen den beiden Dornfortsätzen der letzten Brustwirbel, wobei eine Anaesthesie der Beine und des Genitales resultierte. Dieses war der erste Bericht über eine erfolgreiche Periduralanaesthesie.
    Corning veröffentlichte sein Buch „Local Anaesthesia“.
  • 1886  Von Bergmann führte die Hitze-Sterillsation ein.
  • 1887 Corning erzeugte eine Leitungsanaesthesie durch Injektion um den Nervus cutaneus antibrachii medialis und erreichte damit die Betäubung des von ihm versorgten Hauptgebietes.
    Sir Frederick Hewitt konstruierte einen Apparat für die Verabreichung von Lachgas und Sauerstoff.
  • 1888 Redard benützte Chloräthyl als Lokalanaesthetikurn.
    Sir  Frederick Hewitt veröffentlichte das Handbuch „Select Methods in the Administration of Nitrous Oxide and Ether“.
  • 1889 G. H. Hurd entwickelte einen Apparat zum Mischen von Chloroformdampf und Lachgas.
    Giesel isolierte das Tropakokain.
  • 1891 Heinrich Quincke führte die Lumbalpunktion ein.
  • 1892 Carl Ludwig Schleich führte die Infiltrationsanaesthesie durch intrakutane Injektion verdünnter Lösungen verschiedener Substanzen ein.
    Sir Frederick Hewitt führte den ersten brauchbaren Gas- und Sauerstoffapparat ein.
  • 1893 Hewitt veröffentlichte die erste Ausgabe seines Buches „Anaesthetics“.
    Gründung der „Sociecty of Anaesthetists“ (London).
  • 1894 H. J. Carlson entdeckte, daß Chloräthyl einen tiefen Schlaf bei Patienten in der zahnärztlichen Praxis erzeugte. Bestätigung durch Thiessing.  Fortan wurde das Chloräthyl für die Allgemeinnarkose benutzt.
    E. A. Codman führte die Aufzeichnung von Protokollen, insbesondere die Registrierung der Pulsfrequenz, in Narkose ein.
    J. Leonhard Corning führte das Kokain direkt in den Rückenmarkskanal ein.
  • 1895 Wilhelm Konrad Röntgen in Würzburg entdeckte die später nach ihm benannten Strahlen.
    Alfred Kirstein führte erstmals einen intratrachealen Tubus unter direkter Sicht des Laryngoskops ein.
  • 1897 John Abel entdeckte das Adrenalin.
    Heinrich Braun sprach sich für den Zusatz von Adrenalin zur Kokainlösung aus, um die Absorption zu verlangsamen und die Anaesthesiedauer zu erhöhen.
  • 1897-98  Rudolph Matas modifizierte das zur Therapie des akuten chirurgischen Pneumothorax dienende Fell-O´Dwyer-Gerät, so daß damit die Anaesthesie während der künstlichen Beatmung aufrechterhalten werden konnte.
  • 1898 August Bier führte als erster mit Erfolg die Spinalanaesthesie in die Klinik ein.
  • 1899 S. S. White stellte ein Narkosegerät mit dosierter Gaszufuhr her.
    Theodor Tuffier entwickelte die Technik der Spinalanaesthesie.
    H. Dresser führte das Hedonal ein.
    Korff schuf die Grundlage des „Dämmerschlafes“.  Er empfahl eine Kombination von Skopolamin und Morphin oder Skopolamin und Narkophin zur Narkose.
    C. L. Schleich veröffentlichte „Schmerzlose Operationen“, 4. Auflage.  Die erste Auflage erschien 1894.
    Dudley Tait und Guido Caglieri wandten als erste die Spinalanaesthesie an (26. Oktober).
    Rudolph Matas berichtete als erster über eine eigentliche Spinalanaesthesie bei chirurgischen Operationen.